Über den BuchHafen

Liebe Bücherfreund*innen,

obwohl der Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie vom Berliner Senat voraussichtlich bis zum 9. Mai verlängert wurde und die bundesweit einheitliche „Notbremse“ demnächst in Kraft treten wird, dürfen Buchhandlungen unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen weiterhin öffnen da der Buchhandel zu den „Verkaufsstellen für den täglichen Bedarf“ gezählt wird. Daher gelten (unter Vorbehalt) die regulären Öffnungszeiten. Eine vorherige Terminvereinbarung und ein tagesaktuelles, negatives Testergebnis sind nach dem derzeitigen Stand NICHT ERFORDERLICH. Der Zutritt zur Buchhandlung ist hingegen nur noch mit FFP2-Maske möglich. Weiterhin gilt, dass sich maximal 4 Kund*innen gleichzeitig in der Buchhandlung aufhalten dürfen. Bitte habt Verständnis, dass es daher zu Wartezeiten kommen kann. Wir versuchen Warteschlangen vor der Buchhandlung zu vermeiden. Falls es doch einmal dazu kommen sollte, gelten die Abstandsregeln ebenfalls vor dem Ladengeschäft. Auch das Tragen einer FFP2-Maske ist in dieser Situation Pflicht.

Der BuchHafen Berlin ist eine kleine, unabhängige Buchhandlung im Schillerkiez, die 2016 eröffnet wurde. Dass wir keine ausgebildeten Buchhändler sind, sondern als Kulturwissenschaftler bzw. Turkologin einen akademischen Hintergrund haben, spiegelt sich in der etwas ungewöhnlichen Mischung an Titeln wider, die wir Buchliebhaber*innen anbieten. Bei einer leckeren Tasse Kaffee oder Tee kann man bei uns durch eine breit gefächerte Auswahl stöbern, darunter türkische Literatur & Bücher über die Türkei (im Original sowie in englischer und deutscher Übersetzung), Weltliteratur & Literatur aus dem deutschsprachigen Raum (vorwiegend auf Deutsch), Literatur aus der englischsprachigen Welt (vorwiegend auf Englisch) und unsere umfangreiche Sammlung deutsch- und englischsprachiger Titel aus den Bereichen Philosophie sowie Politik-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Darüber hinaus führen wir eine kleine, aber feine Auswahl an Kinderbüchern, Sachbüchern & Bildbänden (mit Schwerpunkt auf Musik, Film und Kunst) und Graphic Novels sowie antiquarische Bücher auf Deutsch, Englisch und Türkisch.

Wir erhoffen uns vom BuchHafen mehr als nur ein erträgliches Einkommen: Zu unseren Zielen gehört, besondere Meisterwerke der modernen und zeitgenössischen türkischen Literatur bekannter zu machen und den Leser*innen näher zu bringen. Doch vor allem wünschen wir uns, dass unsere Buchhandlung ein Treffpunkt für interessierte Leser*innen in der Nachbarschaft wird oder vielmehr, dass sie sich (wie der Name schon sagt) zu einem Hafen für kulturellen und politischen Austausch im Schillerkiez entwickelt, in dem alle willkommen sind und sich wohlfühlen und wo kollektiv eine Form von Commonwealth produziert werden kann. Daher planen wir zahlreiche, über das ganze Jahr verteilte Veranstaltungen, darunter Lesungen, Lesegruppen, Vorträge und Workshops.

Wir sind uns durchaus bewusst, dass gerade diese Wiederaneignung solchen kollektiven Gemeinwerts, der von den im Viertel wohnenden und arbeitenden Menschen geschaffen wird – bzw. die Abschöpfung der Mehrarbeit, die Stadtbewohner*innen in der täglichen Produktion/Reproduktion des städtischen Lebens und städtischer Gemeingüter leisten – das gegenwärtige neoliberale Rebranding Berlins (als unverkennbar „coole, libertäre, kreative Kunst- und Partymetropole“) ausmacht und damit Trends wie übersteigertem Konsumerismus/Verhipsterung, Finanzialisierung/Immobilienspekulation, Verdrängung und Akkumulation durch Enteignung Vorschub leistet. Wir behaupten also keinesfalls, keinen Anteil an der weiteren Gentrifizierung des Schillerkiezes zu haben. Stattdessen hoffen wir lediglich, dass wir mit unserer Leidenschaft für Bücher in unserem kleinen, gemütlichen BuchHafen ein Auskommen und gleichzeitig kollektiv (d. h. mit der Hilfe alteingesessener und neu zugezogener Nachbarn) Mittel und Wege finden können, solchen Mechanismen der Kooptation und Ausbeutung durch Entfremdung zumindest ein Stück weit zu entgehen – ein wenig überschüssiges Gemeingut zu retten, wenn man so will – um unser Recht auf Stadt gemeinsam zu verteidigen. Kurzum, wir wollen diese Ausgrenzung- und Verdrängungsprozesse, in welche wir ungewollt verwickelt sind, besser verstehen, diskutieren und bekämpfen. Also: Schaut rein und lasst uns bei einer Tasse Kaffee darüber reden und lesen.